„Österreich muss unternehmerischer werden“
Frau Präsidentin, 2025 war für Österreichs Wirtschaft und auch für die Wirtschaftskammer ein herausforderndes Jahr – was muss in Zukunft besser werden?
Schultz: Für unsere Wirtschaft gilt: Wir können uns geopolitischen Entwicklungen und Krisen nicht entziehen. Umso wichtiger ist es, dass es keine hausgemachten Belastungen für unsere Betriebe gibt, die ihre Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Bei der Bürokratie sind erste Weichenstellungen gelungen, denen weitere folgen müssen. „Gold-Plating“-Fleißaufgaben müssen der Geschichte angehören.
Bei den Arbeitskosten ist die Fixierung der Lohnnebenkosten-Senkung ein wichtiger Erfolg. Unsere Unternehmer:innen im ganzen Land müssen sich wieder mehr „rühren“ können. Zur Wirtschaftskammer: 2026 ist das Jahr der Reformen. Da gehen wir sehr konsequent vor. Wir entwickeln die gesamte Wirtschaftskammerorganisation weiter – mit dem klaren Ziel, noch mehr Nutzen für unsere Mitglieder zu schaffen.
Wie soll die Wirtschaftskammer nach der Reform aussehen?
Schultz: Moderner, schlanker und in jedem Fall noch stärker. Wir brauchen eine starke, mitgliedernahe Interessenvertretung der Wirtschaft mehr denn je. Es gibt manche, die sich eine schwächere Kammer oder gar deren Abschaffung wünschen. Das wird es mit mir nicht geben.
Was gibt es dann?
Schultz: Es gibt spürbare Entlastung: Wir werden durch Reformen unseren Mitgliedern ab 2030 jährlich 100 Mio. Euro ersparen. Dafür vereinfachen wir bestehende Strukturen, bündeln Leistungen, gliedern sie in bestehende Organisationseinheiten ein oder stellen sie ein. In der Wirtschaftskammer Österreich werden wir die Belegschaft sozialverträglich um 200 Personen bis Ende 2027 senken. Das Maß aller Dinge ist bei der Reform der Nutzen für die Mitglieder. Dazu gehört auch, dass die Unternehmer:innen bestmöglich informiert sind, was ihnen das Unternehmerleben erleichtern kann. In diesem Sinn entwickeln wir auch unsere Services und deren Kommunikation laufend weiter.
Ein wichtiges Thema für eine starke Wirtschaft ist die Stimmung im Land …
Schultz: … und dabei haben wir zweifellos großen Handlungsbedarf. Die gefühlte Stimmung ist schlechter als die gemessenen Daten. Damit wir den Aufschwung nützen können, braucht es eine realistisch-optimistische Stimmung im Land. Sonst bleiben Investitionen aus und die Kundschaft zurückhaltend.
Was lässt sich für eine bessere Stimmung tun?
Schultz: Einerseits geht es darum, besser zu zeigen, was unsere Unternehmer:innen mit ihren Beschäftigten alles leisten – und was sie leisten können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Wir bewegen in und mit unseren Unternehmen ja viel mehr, als viele glauben – von der erstklassigen Ausbildung für junge Menschen über Wohlstand und soziale Sicherheit im Land bis zu Produkten und Leistungen, die weltweit begehrt sind. Andererseits muss unser Land vom Mindset her unternehmerischer werden. Es sind unsere Unternehmer:innen, die jeden Tag anpacken, Probleme lösen und Dinge besser machen. Ihre Leistungsbereitschaft, ihr Fleiß und ihre Offenheit für die Zukunft – das alles sind Werte, die wir im ganzen Land leben müssen. Angefangen von der Bildung über die Medien bis zu öffentlichen Institutionen. Wir brauchen mehr Offenheit und Wertschätzung für unternehmerisches Denken und für unternehmerische Leistungen.
Österreich hat 2025 einen neuen Gründerrekord verzeichnet – der Trend geht in die richtige Richtung?
Schultz: Ja, und das müssen wir verstärken. Mit unserem Gründerservice, das von den Gründer:innen ja besonders positives Feedback erhält, spielen wir für eine positive Gründungsdynamik und erfolgreiche Gründungen eine wichtige Rolle. Diese Rolle werden wir ausbauen. Was mich besonders freut: Dass fast jede zweite Gründung weiblich ist. Mit unserer Unternehmerinnen-Organisation „Frau in der Wirtschaft“ sind wir dabei wichtige Impulsgeberin und bieten ein starkes Netzwerk. Hier sieht man auch, wie eng Wirtschaft und Gesellschaft miteinander verknüpft sind: Erfolgreiche Gründerinnen und Unternehmerinnen sind für mich die besten Role Models für Gleichberechtigung, die es gibt.
Als Interessenvertretung der Wirtschaft geht es darum, Dinge durchzusetzen – aber auch darum, Negatives für die Unternehmen zu verhindern. Auch das sind wichtige Erfolge im Dienst der Wirtschaft. Was darf in Österreich auf keinen Fall passieren?
Schultz: Wir brauchen sicher keine Vermögens- und Eigentumssteuern. Schon allein die Debatte darüber schafft Unsicherheit, beeinträchtigt die Investitionsbereitschaft und schadet dem Standort. Wir brauchen auch keine neue Bürokratie, die unsere Betriebe lähmt und enorme Kosten verursacht. Wir wollen auch keine weitere Ausweitung der Staatstätigkeit. Die Wirtschaft muss wachsen, nicht der Staat. Alles, was einem unternehmerischen Österreich im Weg steht, ist ein Problem, weil es unserer Zukunft im Weg steht.
Ein unternehmerisches Österreich ist also Ihr Zukunftsprogramm für ganz Österreich?
Schultz: Ja, denn ein unternehmerisches Österreich ist für alle ein Gewinn – für Unternehmer:innen, für Mitarbeiter:innen, für Ausbildung, Wohlstand und Sicherheit. Es ist ganz einfach: Je mehr wir alle in Österreich unternehmen, desto besser für unsere Zukunft.