Nichtfinanzielle Berichterstattung
Verantwortung für die Zukunft
Seit 2012 berichtet die WKÖ kontinuierlich und transparent über ihre Leistungen im Bereich Nachhaltigkeit und entwickelt in regelmäßigen Abständen eigene interne Nachhaltigkeitsprogramme mit klaren Zielen. Um ihre interne Nachhaltigkeit strategisch weiterzuentwickeln, hat die WKÖ 2025 ihre bisherige Wesentlichkeitsanalyse aus dem Jahr 2020 aktualisiert und um eine freiwillige doppelte Wesentlichkeitsanalyse in Anlehnung an die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) erweitert.
Im Mittelpunkt standen dabei zwei Perspektiven
Inside-out
Welche positiven und negativen Auswirkungen hat die Geschäftstätigkeit der WKÖ auf Umwelt und Gesellschaft?
Outside-in
Welche Nachhaltigkeitsaspekte bergen finanziellen Chancen und Risiken für die WKÖ?
Die Analyse bestand aus einem vierstufigen Prozess, der vor allem auf einen partizipativen Dialog mit relevanten Stakeholder:innen der WKÖ setzte. Im gesamten Prozess der doppelten Wesentlichkeitsanalyse wurde der Fokus auf den Hauptstandort der WKÖ in der Wiedner Hauptstraße 63 in Wien gelegt. Die AußenwirtschaftsCenter und der WIFI-Standort wurden indirekt in die Analyse miteinbezogen.
Die Einbindung von internen und externen Stakeholdern war ein wichtiges Element des gesamten Prozesses. Sie diente dazu, die identifizierten und bewerteten Nachhaltigkeitsthemen zu validieren und mögliche inhaltliche Lücken zu schließen. Die WKÖ hat sich bewusst für einen direkten, dialogorientierten Austausch entschieden. Im Rahmen von moderierten Fokusgruppen (vor Ort und online) wurden folgende Stakeholdergruppen eingeladen, ihre Sichtweisen, Erwartungen und Erfahrungen einzubringen:
- Mitglieder (inkl. Funktionär:innen) aus unterschiedlichen Sparten und Unternehmensgrößen
- Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Abteilungen
- Weitere Stakeholder:innen im unmittelbaren Wirkungsumfeld der WKÖ, u. a. aus Medien, NGOs, Sozialpartnerschaft, Bildungs- und Forschungseinrichtungen, Behörden und von Kooperationspartner:innen
Das Ergebnis des vierstufigen Prozesses war eine Liste wesentlicher Auswirkungen, Chancen und Risiken, die systematisch identifiziert, bewertet und von relevanten Stakeholder:innen validiert wurden. Anschließend erfolgte eine Zuordnung zu den entsprechenden ESRS-Themen. Auf dieser Grundlage gelten gemäß ESRS folgende Themen für die WKÖ als wesentlich:
Handlungsfelder für das WKÖ Nachhaltigkeitsprogramm
Die wesentlichen Themen wurden thematisch gebündelt und in acht strategische Handlungsfelder übergeführt. Diese bilden die Grundlage für das nächste Nachhaltigkeitsprogramm der WKÖ.
Acht wesentliche Handlungsfelder der WKÖ
- Mitgliederzufriedenheit
- Impulsgeberin und Gestalterin einer nachhaltigen Zukunft
- Energie und Klimawandel
- Nachhaltige Beschaffung und Verantwortung in der Lieferkette
- Ressourcenmanagement
- Arbeitgeberattraktivität
- Vielfalt und Chancengleichheit
- Qualifizierung und Wissensmanagement
Das nächste WKÖ Nachhaltigkeitsprogramm wird im Jahr 2026 – parallel zum laufenden WKÖ Reformprozess – erarbeitet. Ziel ist es, die identifizierten Handlungsfelder eng mit der zukünftigen Gesamtstrategie der WKÖ zu verknüpfen und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Das neue WKÖ Nachhaltigkeitsprogramm wird im Nachhaltigkeitsbericht 2026 veröffentlicht, der im Juni 2027 als Teil des WKÖ Geschäftsberichts 2026 erscheint.
WKÖ Nachhaltigkeit 2025 in Zahlen
Umwelt
- +0,5 %* (-23 %)** CO²-Äquivalente pro Mitarbeiter:in beim Carbon Footprint
+9,1 %* (-2,5%)** CO²-Äquivalente bei Dienstreisen - -1,7 %* (-3,9 %)** Stromverbrauch
25.293 kWh Stromerzeugung der hauseigenen Photovoltaikanlage
+21,3 %* (+9 %)** Fernwärmeverbrauch - +14,6 %* Papierverbrauch
78 % Anteil von Recyclingpapier am Papierverbrauch
61,6 % Recyclingquote des Abfalls
Mitarbeiter:innen
- 2,4 % Fluktuation
63 % Frauenanteil - 29 % Teilzeitquote
45,9 Durchschnittsalter in Jahren
83 % Karenzrückkehrquote - 9,9 Krankheitstage pro Mitarbeiter:in
1,5 Weiterbildungstage pro Mitarbeiter:in - *) Zahlen für das Jahr 2025 im Vergleich zum Jahr 2024
**) Zahlen für das Jahr 2025 im Vergleich zum (Vor-Corona-)Jahr 2019.
Vergleichende Zahlenreihen zur Entwicklung von 2023 bis 2025 entnehmen Sie bitte den Kennzahlen-Tabellen.
Corporate Carbon Footprint der WKÖ
Ziel der Wirtschaftskammer ist es, den Umweltschutzgedanken aktiv in Organisation und Prozessen zu verankern. Daher steht im Rahmen des WKÖ Nachhaltigkeitsmanagements die ganzheitliche und transparente Erfassung der Treibhausgasemissionen im Fokus. Die Berechnung des Corporate Carbon Footprints (CCF) der WKÖ erfolgt gemäß dem international anerkannten Greenhouse Gas (GHG) Protocol.
Vergleich: Ursachen für den Corporate Carbon Footprint der WKÖ
WKÖ Fußabdruck stieg leicht um knapp 2 %
Die Anforderungen und Aufgaben der WKÖ entwickeln sich durch neue politische Prioritäten und äußere Rahmenbedingungen laufend weiter und verändern Art und Umfang der Aktivitäten der WKÖ. So können verstärkte oder reduzierte Dienstreisetätigkeiten, die Anzahl der Veranstaltungen oder wetterabhängige Heiz- bzw. Kühllasten dazu führen, dass die Emissionen und der Ressourcenverbrauch der WKÖ von Jahr zu Jahr Schwankungen unterliegen (vgl. Kennzahlen 2025 im Überblick).
Strom aus eigenen Photovoltaikanlagen 2025 verzehnfacht
Der Anstieg des Carbon Footprint der WKÖ um 2 % auf 1.908 Tonnen CO2-Äquivalente im Berichtszeitraum 2025 gegenüber dem Vorjahr ist vor allem auf zwei Faktoren, die mehr als die Hälfte der Gesamtemissionen der WKÖ ausmachen, zurückzuführen: Die aus dem Fernwärmeverbrauch stammenden CO2-Emissionen stiegen durch den erhöhten Heizbedarf (Heizgradtage +14 %) um knapp 21 % auf 446 Tonnen CO2-Äquivalente, die durch Dienstreisen mit dem Flugzeug verursachten um 16 % auf 560 Tonnen CO2-Äquivalente. Gleichzeitig konnte aber auch eine große Anzahl der Dienstreisen mit Pkw (20 % weniger Dienstreisen) durch Bahnfahren (8 % mehr Dienstreisen) substituiert werden.
Die aus dem Stromverbrauch resultierenden CO2-Emissionen konnten 2025 gegenüber 2024 um 3 % reduziert werden. Im Berichtsjahr wurden bereits mehr als 8 % des Gesamtverbrauchs an Strom durch Eigenstrom gedeckt, da die WKÖ ihre gesamte installierte Photovoltaikleistung am Standort seit Mai 2025 um rund 250 kWp auf nun knapp 325 kWp steigern konnte. 2026 wird die WKÖ voraussichtlich 10 % bis 12 % ihres Stromverbrauchs selbst produzieren. Überdies bezieht die WKÖ bereits seit 2013 Strom aus 100 % Wasserkraft. Daher können die klimawirksamen Emissionen auf Basis des individuellen Stromprodukts („market-based“) statt auf Basis der durchschnittlichen CO2-Emissionen des allgemeinen Strommix im österreichischen Netz („location-based“) berechnet werden.
Corporate Carbon Footprint der WKÖ: „market-based“ versus „location-based“
Nachhaltigkeit im Büroalltag
Der Carbon Footprint für den Papierverbrauch reduzierte sich trotz einer Steigerung der Gesamtseitenanzahl um 15 % 2025 um 11 % – der Grund liegt in der vermehrten Verwendung von Recyclingpapier, dessen Anteil nun auf 78 % (+11 %) des Papierverbrauchs der WKÖ anstieg. Auch die CO2-Belastung durch den Tonerverbrauch reduzierte sich um 34 % – damit kam die im März 2024 vorgenommene Umstellung der Stockwerks- und Arbeitsplatzdrucker auf Tonerkartuschen, die mehr als viermal so viele Seiten drucken können wie die bisher eingesetzten Kartuschen, voll zum Tragen.
2026: Fokus bei Scope-3-Emissionen ausweiten
Die Betrachtung von Scope-3-Emissionen ist ein zentraler Schritt zur ganzheitlichen Erfassung unseres unternehmerischen CO₂-Fußabdrucks. Während Scope 1 und 2 lediglich die direkt verursachten Emissionen und den Energiebezug abdecken, entsteht bei der WKÖ ein großer Teil der Emissionen (47 %) indirekt entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3). Unser Fokus bei den Scope-3-Emissionen liegt derzeit auf Papier- und Tonerverbrauch, Dienstreisen und vorgelagerten Emissionen der Energieträger.
Eine vertiefte Berücksichtigung zusätzlicher Scope-3-Kategorien ermöglicht es uns, wesentliche Emissionstreiber („Hotspots“) transparenter zu identifizieren und gezielt zu steuern. Dadurch schaffen wir die Grundlage für wirksame Reduktionsmaßnahmen, beispielsweise in der Lieferantensteuerung, bei Investitionsentscheidungen oder im Mobilitätsverhalten unserer Mitarbeiter:innen.