Finanzierung der Wirtschaftskammer
Hinweis
Die nachfolgenden Zahlen beziehen sich auf die Wirtschaftskammer Österreich. Landeskammern und Fachorganisationen sind nicht erfasst.
Mehr Mitgliedsbetriebe, weniger Umlage pro Mitglied
Die Wirtschaftskammer Österreich finanziert sich aus den Kammerumlagen, die 2025 insgesamt 250,1 Millionen Euro betrugen. Das sind um 2,4 Millionen Euro mehr als 2024. Dennoch blieben die Einnahmen hinter den Erwartungen, da die Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung rückblickend zu optimistisch waren.
Die Einnahmen aus der Kammerumlage 1 betrugen 97,2 Millionen Euro, jene aus der Kammerumlage 2 lagen bei 152,9 Millionen Euro. Hinter den Einnahmen stehen deutlich mehr Mitgliedsbetriebe. Seit dem Jahr 2000 stiegen die Mitgliedschaften um 87 %. Die durchschnittliche Kammerumlage pro Mitgliedschaft sank im selben Zeitraum um 25 %.
Rücklagen der WKÖ sichern Handlungsfähigkeit
Die Rücklagen der Wirtschaftskammer Österreich sind ein zentrales Instrument verantwortungsvoller finanzieller Vorsorge. Sie stellen sicher, dass die WKÖ ihre gesetzlichen Aufgaben und ihre Serviceleistungen für die Mitglieder auch dann uneingeschränkt erfüllen kann, wenn sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen unerwartet ändern oder Einnahmen – etwa aus Kammerumlagen – ausbleiben.
Zum Bilanzstichtag 31. Dezember 2025 belief sich die Ausgleichsrücklage der WKÖ auf rund 113 Millionen Euro. Diese Rücklage dient ausdrücklich dazu, unvorhergesehene Schwankungen bei Aufwendungen und Erträgen auszugleichen. Sie ermöglicht es der WKÖ, auf externe Schocks – etwa konjunkturelle Abschwünge oder außerordentliche Kostensteigerungen – rasch und verantwortungsvoll zu reagieren und so die Handlungsfähigkeit der WKÖ im Sinne ihrer Mitglieder sicherzustellen.
Außer über die Ausgleichsrücklage verfügt die WKÖ auch über zweckgebundene Rücklagen, beispielsweise für Gebäude, IT und mitgliederbezogene Aktivitäten im In- und Ausland. Sie ermöglichen eine vorausschauende finanzielle Vorsorge für Investitionen und tragen dazu bei, notwendige Vorhaben langfristig und budgetschonend umzusetzen.
Bilanz und GuV auf einen Blick
Nach zwei Jahren der Rezession konnte 2025 wieder ein leichtes Wirtschaftswachstum verzeichnet werden. Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in Österreich blieb jedoch insgesamt hinter den Erwartungen zurück. Dementsprechend entwickelte sich das daraus abgeleitete Umlagenaufkommen der Wirtschaftskammer Österreich schwächer als prognostiziert. Dennoch konnte das vielfältige und bedarfsorientierte Leistungsangebot für die Mitglieder aufrechterhalten werden.
Erläuterungen zum Rechnungsabschluss
Umsatzerlöse, Umlagen und Gebühren
Die Wirtschaftskammer Österreich finanziert sich nahezu ausschließlich aus den Kammerumlagen 1 und 2. Die Kammerumlage 1 hängt vom Vorsteuervolumen der Mitgliedsunternehmen ab, die Kammerumlage 2 von der Bruttolohn- und -gehaltssumme der Beschäftigten. Die Kammerumlagen machen in Summe 250,1 Millionen Euro aus. Die Einnahmen sind 2025 deutlich geringer ausgefallen als erwartet, tatsächlich hat sich die Wirtschaft schwächer entwickelt als vorhergesagt.
Weitere Einnahmen resultieren aus Waren- und Leistungserlösen in Höhe von 27,1 Millionen Euro. Diese stammen überwiegend aus den Tätigkeiten des Messebereichs sowie der internationalen Schiedsinstitution (VIAC) der Wirtschaftskammer Österreich, die im Jahr 2025 eine deutlich höhere Zahl abgeschlossener Verfahren verzeichnete. Zusätzlich trug die Internationalisierungsoffensive go-international zu diesen Erlösen bei.
Sonstige betriebliche Erträge
Die Sonstigen betrieblichen Erträge betragen 46,6 Millionen Euro. In dieser Position sind neben Kostenersätzen für Personal- und Sachaufwand vorwiegend Förderungsbeiträge und Zuschüsse enthalten. Dabei handelt es sich zum Großteil um Einnahmen für kofinanzierte Projekte wie die Internationalisierungsoffensive go-international, KMU.DIGITAL oder die EXPO in Osaka.
Personalaufwand
Der gesamte Personalaufwand beläuft sich in Summe auf 152,3 Millionen Euro. Er enthält alle Gehälter inklusive Nebenkosten für das Kammerpersonal, für das lokale Personal der AußenwirtschaftsCenter, für alle an andere Organisationen überlassenen Mitarbeiter:innen sowie für das Personal für die kofinanzierten Projekte.
Des Weiteren enthält der Personalaufwand Aufwendungen für die Altersversorgung und Aufwendungen für die Zuweisungen zu Personalrückstellungen, insbesondere für die Anpassung der Abfertigungsrückstellung.
Sachaufwand
Der Sachaufwand setzt sich aus den Abschreibungen und den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen zusammen und beläuft sich 2025 insgesamt auf 182,1 Millionen Euro.
Gemäß Haushaltsordnung sind im hoheitlichen Bereich mit Ausnahme der Immobilien und der Beteiligungen an juristischen Personen alle Anlagegüter im Anschaffungsjahr zu 100 % abzuschreiben. Diese Abschreibungen belaufen sich 2025 auf 0,9 Millionen Euro. Es handelt sich hier vor allem um Investitionen in Möbel, Kommunikationsanlagen, Audio-, Video- und Präsentationsgeräte sowie in Kraftfahrzeuge im Bereich der AußenwirtschaftsCenter.
Die Sonstigen betrieblichen Aufwendungen belaufen sich auf 181,3 Millionen Euro. Neben den Infrastrukturkosten im In- und Ausland sind hier die Sachkosten für die direkt mitgliederbezogenen Leistungen enthalten.
- Den größten Block bei den Sonstigen betrieblichen Aufwendungen stellen mit 69,5 Millionen Euro die Aufwendungen für Mitgliederbetreuung und Kommunikation sowie der Büroaufwand dar. In dieser Position sind Aufwendungen für mitgliederbezogene Veranstaltungen und Informationsformate, Aufwendungen für den Messebereich sowie Aufwendungen im Zusammenhang mit der Internationalisierungsoffensive go-international enthalten. Hervorzuheben ist auch die Teilnahme an der EXPO 2025 in Osaka.
- Ebenfalls einen hohen Anteil an den Sachkosten haben mit 45,2 Millionen Euro die Förderungsbeiträge und Zuschüsse, u. a. im Rahmen der Internationalisierungsoffensive go international oder des Förderungsprogramms KMU.DIGITAL.
- Weitere Sachaufwandspositionen sind Aufwendungen für Vortragende und Prüfer:innen, beigestelltes Personal sowie die Funktionsentschädigungen und
- Aufwendungen für die Infrastruktur und den laufenden Betrieb wie Instandhaltung und Reinigung durch Dritte, Energie und Entsorgung, der Miet-, Pacht-, Leasing- und Lizenzaufwand sowie der Transport-, Reise- und Fahrtaufwand und der Nachrichtenaufwand.
Ergebnis, Finanzerfolg und Rücklagengestion
Der Betriebserfolg ist negativ und liegt bei -10,6 Millionen Euro, hinzu kommt der Finanzerfolg von rund 3,4 Millionen Euro, wodurch ein negatives Ergebnis vor Steuern in Höhe von 7,2 Millionen Euro verbleibt.
Nach Berücksichtigung der Position Steuern von Einkommen und Ertrag in Höhe von 0,6 Millionen Euro ergibt sich ein negatives Ergebnis nach Steuern in Höhe von 7,7 Millionen Euro.
Die Rücklagengestion betrifft die Wahlrücklage, die Gebäuderücklage für Auslandsobjekte sowie die Rücklage für Öffentlichkeitsarbeit der Bundessparte Industrie jeweils im Ausmaß ihrer Verwendung. Enthalten ist auch eine Zuweisung zur Strukturänderungsrücklage, um für Maßnahmen zur Erreichung der im Wirtschaftsparlament im November 2025 initiierten Reformbestrebungen vorzusorgen.
Durch Einsparungen im Sachaufwand, Mehreinnahmen, vor allem bei den Sonstigen betrieblichen Erträgen, sowie den höheren Finanzerfolg konnten die Mindereinnahmen bei den Kammerumlagen teilweise ausgeglichen werden. Dennoch verbleibt ein Bilanzverlust in Höhe von 9,4 Millionen Euro, der aus der Ausgleichsrücklage bedeckt wird, die gemäß § 8 Abs. 1 der Haushaltsordnung der Abdeckung von unvorhergesehenen Schwankungen bei den Aufwendungen und Erträgen dient.